Der interessanteste Teil dieses Projekts ist keine Optimierung, sondern eine Reihe von Entscheidungen darüber, was das Produkt bewusst nicht behauptet. Ein Reiseplaner, der Kosten ausgibt, steht permanent vor der Versuchung, eine glatte Zahl zu liefern, weil eine glatte Zahl besser aussieht als ein Bereich. Wir haben uns an mehreren Stellen dagegen entschieden.
Streckenmaut in Italien, Frankreich oder Kroatien hängt von Fahrzeugklasse, Achszahl und Abschnitt ab und lässt sich aus einer geplanten Route nicht exakt ableiten. Camperada gibt deshalb eine Spanne aus statt eines Punktwerts. Ein Punktwert wäre geraten, eine Spanne ist ehrlich. Dasselbe Prinzip greift bei den Spritpreisen: Für Nicht-EU-Länder wie die Schweiz existiert keine EU-weite Preiserhebung. Statt dort einen Wert zu erfinden, rechnet das System mit dem Preisniveau der übrigen Strecke und weist genau das aus. Wie die Reisekosten- und Mautberechnung im Detail arbeitet, ist offengelegt und nicht in einer Blackbox versteckt.
Am deutlichsten wird das Prinzip bei einem Feature, das es nicht gibt. Tunnel lassen sich in der Routenberechnung nicht meiden: Weder OpenRouteService noch OSRM kennen eine entsprechende Option (Stand 07/2026). Ein Schalter mit der Beschriftung „Tunnel meiden“ wäre schnell gebaut gewesen und hätte in keinem Fall etwas bewirkt. Er wurde deshalb nicht gebaut. Ein Bedienelement, das nichts tut, ist keine Vereinfachung, sondern eine Attrappe.
Diese Haltung nehmen wir direkt in die Kundenarbeit mit. Was sich nicht seriös beziffern lässt, wird bei uns ein benannter Hinweis statt einer erfundenen Zahl. Das ist unbequemer in der Abstimmung und in der Oberfläche schwerer unterzubringen, aber es ist der einzige Umgang mit gerechneten Werten, der einer Rückfrage standhält. Eine falsche Zahl fällt irgendwann auf, und dann steht nicht nur diese eine Zahl in Frage, sondern das ganze Werkzeug.